07.12.2018 Business & People: Kein Ende in Sicht . . .

Kein Ende in Sicht . . .

Er machte wenig Hoffnung, dass sich die Verkehrsbehinderungen im Hamburger Süden auf ansehbare Zeit legen: Carsten Butenschön (l), Verkehrskoordinator der Hamburger Wirtschaftsbehörde mit Udo Stein (r) vom Wirtschaftsverein.

Hamburgs Verkehrskoordinator referiert beim Wirtschaftsverein für den Hamburger Süden

Das Autobahnnetz in Hamburg wird im kommenden Jahrzehnt in wichtigen Teilen erneuert oder ausgebaut. Damit sind in den kommenden Jahren Probleme beim Verkehr im Bezirk Harburg, dem Raum Finkenwerder und Wilhelmsburg programmiert. Stark betroffen sind demnach insbesondere auch die vielen Pendler aus den angrenzenden niedersächsischen Landkreisen. Das ist die Kernbotschaft, die Carsten Butenschön, Verkehrskoordinator der Behörde für Wirtschaft, Innovation und Verkehr, auf der Monatsveranstaltung des Wirtschaftsvereins in Wilhelmsburg mitbrachte. Kurz: Der Pendlerstress geht weiter.

 

Butenschön skizzierte vor den rund 100 Zuhörern im neuen Auditorium des Ingenieurwerks an der Georg-Wilhelm-Straße, warum der Süden der Stadt auch im kommenden Jahr durch Vorbereitungsmaßnahmen für den Ausbau der A7 stark belastet sein wird. Der Ausbau der A7 sei wie „eine Operation am offenen Herzen“. Deshalb müsse man das in den letzten Jahrzehnten vernachlässigte Straßennetz so sanieren, dass man es, so Butenschön, „weiter nutzen kann“. Deshalb müsse beispielsweise ab März der Ehestorfer Heuweg für neun Monate komplett gesperrt werden.

Und es wird nicht besser: „2020 geht es vor dem Elbtunnel los“, so Butenschön. Dann wird damit begonnen, die bisherige Hochbrücke in der Elbmarsch, den auf Stelzen stehenden Teil der A7 südlich vor dem Elbtunnel, zu ersetzen. Dazu wird die Autobahn ab Heimfeld auf acht Spuren verbreitert. Bis dahin müssten die Stadtautobahn und Reichsstraße sowie die A1 fit für ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen sein. „Das ist der Grund für die jetzt stattfindenden Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen“, so Butenschön.

„Zähflüssig, aber kein Chaos“

Bis 2023 wird der Ausbau der A7 südlich des Elbtunnels dauern. Bis dahin prognostiziert Butenschön auf der A7 „zähflüssigen“ Verkehr, aber „kein Chaos“. Voraussetzung sei, dass es keine zusätzlichen Probleme auf den Ausweichstrecken gebe. Weniger Probleme sieht der Verkehrskoordinator durch den Neubau der A26 auf Hamburger Gebiet, da die Baumaßnahmen kaum Einschränkungen auf das vorhandene Straßennetz bedeute.

Als „großen Gewinn“ bezeichnete der Verkehrskoordinator die Gründung der „Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen“ (IGA), die bundesweit die Planungen für Bau- und Sanierungsmaßnahmen von Autobahnen und Bundesstraßen übernehmen soll. Hamburg werde die Niederlassung Nord bekommen und damit die Planungen im Bereich der Hansestadt, Schleswig-Holsteins und Nord-Niedersachsens steuern.

Butenschön sprach auch ein weiteres Problem an. Zwar stehe jetzt viel Geld für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung, aber: „Wir können es aber nicht ausgeben.“ Es gebe keine Firmen, die die Aufträge annehmen könnten. Das betreffe beispielsweise auch die Ausweitung von Baumaßnahmen auf ein Drei-Schicht-System.

Gastgeber Udo Stein, Vorstandsmitglied im Wirtschaftsverein, mahnte eine bessere Koordination der Baumaßnahmen im Straßennetz zwischen der Fachbehörde und den Bezirken an. Als Beispiel für fehlende Koordination nannte er die gleichzeitige Sperrung des Ehestorfer Weges und des Ehestorfer Heuwegs. Die avisierte Einsetzung eines Verkehrskoordinators für den Bezirk wäre laut Stein ein erster wichtiger Schritt.